Kommt ein unbeteiligter Beobachter zum ersten Mal zu einem Training, das mittels Aktivierendem Lernen abgehalten wird, fällt auf: es herrscht Lachen, Bewegung, Aktion. Niemand sitzt am Tisch und kämpft gegen die Müdigkeit an.
An den Wänden hängen Lernposter. Die Teilnehmer basteln, zeichnen, fertigen Modelle an. Stehen an Wandtafeln und diskutieren, tauschen Meinungen aus und sind – richtig aktiv.


Ein Beispiel aus der Praxis:

Vor kurzem konnte ich selber erneut eine äußerst interessante + positive Erfahrung mit Aktivierendem Lernen machen:

Die Situation:
Die Firma startete eine Verkaufsaktion um im Bereich Verbrauchsmaterialien die verloren gegangene Kunden wieder zurück zu gewinnen.

Die komplette Argumentationskette sollte den Sachbearbeitern in Erinnerung gebracht werden. Seitens des Produktmarketings wurde eine entsprechende PowerPoint Präsentation mit allen Informationen vorbereitet und an die Sachbearbeiter per e-mail verteilt.
Ich sollte nun mit den Sachbearbeitern einen Workshop abhalten, der diese Argumentation beinhaltet.
Zeitpunkt für den Workshop: freitags, NACH der Mittagspause, 1 Stunde vor Feierabend ins Wochenende. „Bessere“ Voraussetzungen kann man sich als Trainer kaum wünschen …

Die Teilnehmer kamen, mit Schreibzeug bewaffnet in den Seminarraum und erwarteten gelangweilt die sonst übliche PowerPoint-Schlacht.

In der besagten Präsentation gab es div. Grafiken + Bilder, eigentlich sogar ganz gut gemacht.

Diese Grafiken + Bilder und noch ein paar mehr habe ich einzeln auf DIN-A4 Blätter ausgedruckt und auf einem Tisch verteilt.
(bei Google unter „Bilder“ findet sich für solche Zwecke ein unerschöpfliches Reservoir)

Nach der Begrüßung fragte ich die Sachbearbeiter, ob sie die Präsentation im Vorfeld angeschaut hätten.
Von den 6 Teilnehmern hatten dies auch alle bis auf einen getan und es gab die Rückmeldung: „ja, kennen wir doch alles schon; ist doch nichts Neues“ etc.

Dann eröffnete ich den Teilnehmern: „Heute wollen wir einmal etwas anders machen.
Sie alle sind die Fachleute zu dem Thema und haben schon viel mehr Erfahrung + Wissen dazu als ich. An zwei Pinwänden sind große leere Plakate vorbereitet. Bitte bereiten Sie doch mal ein großes Poster vor, so wie einen Comic indem alle Argumente aufgeführt sind.

Nach einem kurzen Moment der Verwunderung, (diese Methodik war den Teilnehmer vollkommen neu) begannen sie erst einmal die vorbereiteten Bilder + Grafiken auszuschneiden.
Sofort war ein großes, freudiges Tun im Gange. Es wurde viel gelacht und gescherzt. Ich gab dann den Tipp, die ausgedruckte Präsentation nochmals durchzugehen und die Hauptstichworte auf Moderationskarten zu schreiben und zu dem Bild hinzuzufügen.

Als das Bild fertig war, sollten die Teilnehmer die für jeden einzelnen wichtigsten Punkt mit einem Pfeil markieren.
Bei der Betrachtung des fertigen Werkes hieß es seitens der Teilnehmer dann
: „eigentlich sollten wir die Themen nach diesem und jenem Gesichtspunkt neu ordnen und noch besser darstellen…“

Daraufhin forderte ich die Sachbearbeiter auf, das Poster nach ihrem Wünschen auf der zweiten Pinwand in verbesserter Form zu kreieren.

Schnell kam auch die Frage: „Dürfen wir das Poster dann mitnehmen und im Büro aufhängen?

Gegen Ende wurde sogar SEITENS der TEILNEHMER der Wunsch geäußert, diesen Workshop zu wiederholen, aber diesmal als „Telefonseminar“ in dem die Argumentationen in Form von simulierten Telefonaten durchgespielt werden sollten.
Mit großem Spaß sprudelten dabei schon Ideen, wer welchen Kunden simulieren möchte …

Die Zeit verging im Fluge, alle hatten Spaß UND viel gelernt.

Bei genauer Betrachtung ist festzustellen, dass die komplette Argumentation dreimal durchgearbeitet wurde. Keiner fiel in das „Suppenkoma“, PowerPoint war das Mittel zum Zweck und nicht Maß der Dinge, von Langeweile keine Spur!

Das ist Aktivierendes Lernen.

Ein bösgläubiger Mensch sagte einmal: „das ist ja wie im Kindergarten“.
Diesen Menschen muss man „leider“ in seiner Meinung bestätigen. In all unserem Seminar + Trainingstun, sollten wir uns an den Weltmeistern im Lernen orientieren – den Kindern.
In keinem Lebensabschnitt muss der Mensch mehr lernen, in keinem Zeitalter lernt man mehr als – als Kind. Warum sollen „deren“ Methoden dann nicht auch für das spätere Leben gelten.

Die Neurowissenschaften haben längst belegt, dass dem so ist. Mit modernsten Techniken kann man heutzutage dem Gehirn beim Denken + Lernen „zuschauen“ und daraus Schlüsse ziehen.

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Die praktische Umsetzung dieser Erkenntnisse spiegeln sich in der MASTER Methode von Aktivierendem Lernen – kurz AL wieder.

MASTER ist ein Akronym aus AL (ebenfalls eine bewährte Methode) und steht für:

  • M – mentale Vorbereitung
  • A – aufnehmen der Lerninhalte
  • S – suche nach Sinn und Bedeutung
  • T – Treibstoff fürs Gehirn
  • E – Einsatz des Gelernten
  • R – Reflexion über das Lernen

MASTER dient als Leitfaden und Richtschnur um ein Training nach AL Manier aufzubauen.


Die M-Phase beginnt schon im Vorfeld des Trainings.

Die Teilnehmer bekommen eine schriftliche Vorabkommunikation – aber nicht nur mit den üblichen Angaben über Ort und Zeit etc. sondern schon verbunden mit einer kleinen fachlichen Information UND eine kurzen Hausaufgabe, die zum Training mitzubringen ist.

Eine M-Phase kommt im AL Training immer wieder vor. Bei jedem neuen Thema, zu Beginn eines jeden Tages etc.

Es muss dem Teilnehmer schnell klar werden: „Was bringt´s für mich?“Warum ist das Training (die neue Information, das nächste Thema…) wichtig für mich?
Ein Lernender muss immer zuerst den großen Überblick über das Nachfolgende erhalten und  dann ist er bereit diese Information auch aufzunehmen.

Beginnt man direkt mit einer Detailinformation wird das Gehirn regelrecht blockiert mit der Frage: „was soll das?“ „warum brauche ich das?“

In den Bereich der M-Phase gehört auch die Raumgestaltung. Gerade Fachtrainer haben dabei einen schweren Stand, müssen sie sich doch häufig mit räumlichen Gegebenheiten arrangieren. Wohlgemerkt, es geht hier nicht um das Aufstellen von Blumen oder das Beduften des Seminarraumes, sondern um ganz profane Dinge wie: ein ruhiger, separater Raum in dem die Teilnehmer OHNE gestört zu werden arbeiten können.

Dazu gehören auch vorbereitete Lernposter, vorbereitete Unterlagen + Utensilien. Beim betreten des Raumes soll jedem Lerner sofort klar werden: hier wird professionell und gut gearbeitet.

Nähere Informationen dazu finden Sie in dem Trainerleitfaden für Aktivierendes Lernen, in einem entsprechenden Referententraining oder auch in meinem Aufsatz Warum wir anders trainieren sollten als Download auf dieser Seite. Hier

 

A – Aufnehmen der Lerninhalte

Beim Aufnehmen der Lerninhalte regiert die Methodenvielfalt. Die berüchtigten PowerPoint-Schlachten wandeln sich in kurze Sequenzen der Informationsbeschaffung. Aus endlosen Referentenmonologen werden Mini-Vorträge.

Eine der AL Grundregeln: 70% der Zeit sind die Teilnehmer aktiv, d.h. sie TUN etwas.

Versuchen Sie einfach mal folgendes:
Gemäß der Regel „was ein Teilnehmer tun kann, lass ihn tun“ kann man auch Aufgaben schnell an die Teilnehmer delegieren. Lassen Sie die Teilnehmer einen Anschrieb an der Flipchart selber machen, Moderationskarten selber schreiben + anpinnen.

Was ich in der Praxis erfolgreich eingeführt habe: zu  Beginn eines Trainings die Teilnehmer einfach nach den Pausenzeiten fragen.

Die TN „entscheiden“ selber, wann und wie viele Pausen gemacht werden sollen. Diese Zeiten werden (von den Teilnehmern) selber auf einem Poster fest gehalten und gut sichtbar an die Wand gehängt. Gleichzeitig wird jemand zum „Pausenbeauftragten“ ernannt, der rechtzeitig auf die nächste Pause hinweisen soll.

Schon haben Sie etwas „Bewegung“ im Raum und die Teilnehmer merken: „hier geht es etwas anders zu …“ 

Oder versuchen Sie doch einfach mal den Trick:
Geben Sie den Teilnehmern die Unterlagen, die sie normalerweise vortragen würden selber in die Hand, verbunden mit der Aufgabe daraus die 5 wichtigsten Punkte herauszuarbeiten. Am besten noch in mehreren Gruppen. Schließlich werden die Ergebnisse gegenseitig vorgetragen.
Schon existiert eine restlos andere Stimmung im Seminar.

Gerade wir Fachtrainer verfallen gerne in die Situation, dass wir die Lernenden mit geballtem Fachwissen regelrecht ertränken.
Aus der neurobiologischen Forschung ist mittlerweile bekannt: der Mensch kann sich maximal 5-7 Informationen merken. Erfolgt danach nicht eine Wiederholung oder Festigung des Wissens, so ist das Gelernte wieder weg.

Das ist wie ein Parkhaus in dem sieben Autos Platz haben. Erst wenn ein Auto auf eine andere Ebene gefahren ist, kann ein neues herein kommen.
Für ein Seminar mit AL bedeutet dies: alle Themeneinheiten müssen in kleine Häppchen sog. Chunks (engl. für Stückchen, Bissen) aufgeteilt werden.

Also nicht mehr sämtliche Produktvorteile oder technischen Features herunterbeten, sondern den Teilnehmer nach 5-7 (max. 9) Informationen die Möglichkeit „zum runterschlucken“ geben.

Dies erfolgt am besten in Form sog. Aktivierungen: kleine „Zwischendurch-Übungen“ die die Teilnehmer „aktiv“ werden lassen und die 7 Häppchen „verdauen“ helfen.

Eine kleine Auswahl praxiserprobter Aktivierungen finden sie auf dieser Seite unter Aktivierungen.

 

 S – Suche nach Sinn und Bedeutung
Die S-Phase geht oft einher mit den Aktivierungen. Bei jedem Häppchen (Chunk) muss dem Lernen klar werden: „was kann ich mit der Information anfangen“, „was folgert aus dieser Information“.

Dadurch wird im Kopf das Thema erneut durchdacht und um unsere Parkhaus Metapher zu bemühen: „das Auto im Parkhaus fährt auf eine andere Ebene“

Im Band 3 des Trainerleitfadens für Aktivierendes Lernen sind zahlreiche Aktivierungen sortiert nach Themenbereichen, angesprochener Intelligenz, Zeitaufwand, und der entsprechenden MASTER Phase etc. aufgelistet.

T - Treibstoff fürs Gehirn
E – Einsatz des Gelernten
Für die T-Phase bietet sich die große Zahl der „Merktechniken“ an. Das ist die Zeit für Eselsbrücken, Reime, Metaphern und Akronyme. MASTER ist z.B. ein solches Akronym.

Versuchen Sie es einfach einmal in der Praxis:
- Lassen Sie die Teilnehmer aus Ihren Hauptproduktvorteilen ein Kunstwort bilden (so wie MASTER).
- Bilden Sie einen „merk-würdigen“ Satz aus der Reihenfolge wie ein Bauteil montiert wird oder eine Mixtur entsteht.

Bespiel aus der Chemie: Reihenfolge wie man Flüssigkeiten richtig mischt: „erst das Wasser, dann die Säure, sonst passiert das Ungeheure…“

 Eine kleine Auswahl solcher „merk-würdigen“ Eselsbrücken finden Sie auf dieser Seite unter Eselsbrücken.

Lassen Sie die Lernenden benennen wo und wie sie das neue Wissen in der Praxis umsetzen können und wollen. Auch dies ist ein zusätzlicher Wiederholeffekt. Schnell ist zu erkennen was verstanden wurde und was noch nicht. Gleichzeitig kann man einen praktischen Zeitplan mit den Teilnehmern entwickeln wie und wann die neuen Themen in der Praxis Einzug finden.

R - Reflexion über das Lernen
Wenn man Teilnehmer beobachtet kann man den Effekt schnell selber erkennen. Nach einer gewissen Zeit lehnen sich die Lernen zurück, kommen vermeintlich vom Thema ab und beginnen zu erzählen. Spätestens jetzt kommt die R-Phase zum tragen.

Geben Sie den Teilnehmern Raum um über den neuen Lernstoff zu sinnieren. Stellen Sie fragen wie: „Welche Information war für Sie die wichtigste?“ „Was war für sie komplett neu?“ „Wie kann ihnen dies weiter helfen?“ etc.
Man muss dem Kopf die Möglichkeit geben einmal quer zu denken, einen komplett anderen Weg einzuschlagen. Sie kennen vielleicht die Situation: da will einem ein Name partout nicht einfallen. Man hat ihn quasi „auf der Zunge“. Doch je stärker man dran denkt, desto weniger fällt es ein. Es ist wie ein Knoten im Kopf.

Aber ein paar Minuten später, wenn man an die Sache NICHT mehr denkt, fällt einem plötzlich, wie aus heiterem Himmel, der Name wieder ein. Dieses „nicht mehr dran denken“ hat mit der R-Phase zu tun. Ich muss mich etwas von dem neuen Stoff lösen, ihn von einer anderen Seite betrachten, dann kann er sich noch mehr verfestigen.

 Am besten ist natürlich, wenn Sie AL aus erster Hand kennen lernen wollen.
Eine Möglichkeit hierzu bietet sich auf dem AL-Fachtrainer Seminar. Näheres dazu finden Sie
hier

An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an Claudia Monnet, die mir die MASTER Poster zur Verfügung gestellt hat.